Der ÖPNV sieht sich in der erheblichen Herausforderung, seine Verkehrsleistungen weiterhin sicher und zuverlässig, jedoch mit stetig wachsenden Anforderungen an die Dienstleistungsqualität zu erbringen. Die in den Kerndienstleistungsbereichen häufig vorhandenen Mitarbeiterqualifikationen aus fachfremden Berufsausbildungen reichen dafür künftig nicht mehr aus. Hinzu kommt, dass die Leistungserbringung jetzt schon und künftig hauptsächlich mit stark besetzten älteren Beschäftigten- gruppen bewältigt werden muss. Notwendig ist die Entwicklung von Gestaltungslösungen für die Professionalisierung der Dienstleistungsarbeit, welche die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für den ÖPNV, die betrieblichen Besonderheiten und die Personalstrukturen berücksichtigt.
Ziel des Verbundprojektes ist die Professionalisierung der Dienstleistungsarbeit im Personennahverkehr und im Schienengüterverkehr mittels
• Förderung, Durchsetzung und Weiterentwicklung mittlerer Qualifikationen als
Entwicklungspfad professioneller Dienstleistungsarbeit, insbesondere durch die
Integration junger Berufsbilder und Qualifizierung bestehender
Belegschaftsgruppen;
• Förderung der Beruflichkeit durch Leitbildentwicklung, Wertschätzung,
Produzentenstolz, Servicequalität
• Entwicklung von Qualifikationsmustern zum multifunktionalen und flexiblen Einsatz
durch Aufgabenbereicherung, Hybridqualifikationen, Springertätigkeiten
Besonderer Fokus soll auf den betriebsinternen Transfer von pilothaft und individuell gestalteter Dienstleistungsfacharbeit zu einer unternehmensweit und damit auch kulturstiftenden Gestaltung der Dienstleistungsfacharbeit gelegt werden.
Es sollen in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Modellunternehmen geeignete Transferaktivitäten in die gesamte Branche hinein entwickelt und realisiert werden. So können z.B. in ProVes verwendete Verfahrensweisen, Instrumente und Gestaltungslösungen übernommen, betriebsspezifische angepasst und weiterentwickelt werden.
Mit einer Bestandsaufnahme der Arbeitssituationen in vier Modellbetrieben werden zunächst Strukturen und Prozesse sowie Arbeits-, Qualifikations- und Servicebedingungen hinsichtlich ihres bisherigen Einflusses auf Dienstleistungsqualität beleuchtet (u.a. durch Experteninterviews, Beschäftigtenbefragung). Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zur Ableitung von wesentlichen Faktoren führen, mit deren Hilfe in einer anschließenden Breitenerhebung die Professionalisierungsbedingungen in der gesamten Branche (Branchenanalyse) erfasst werden können.
In jedem Modellbetrieb werden ausgerichtet an spezifischen Schwerpunktthemen Gestaltungslösungen zur Verbesserung der Professionalisierungsbedingungen mit wissenschaftlicher Begleitung entwickelt, verwirklicht und evaluiert. Dafür werden insbesondere folgende grundsätzliche Ansatzpunkte gesehen:
• Systematische Ermittlung und Darstellung der betrieblichen Ressourcen
für professionalisierte Dienstleistungsfacharbeit,
• Arbeitsgestaltung: Erhöhung des Professionalisierungspotenzials durch
angereicherte Tätigkeiten (z.B. durch Mischarbeit) mit Überprüfung
der Auswirkungen auf Beanspruchung, Zufriedenheit und Qualität der Arbeit
• Entwicklung differenzierter, bedarfsorientierter betrieblicher
Entwicklungspfade (Professionalisierungspfade) für jede personelle
Einstiegssituation sowie entsprechend unterschiedlicher Leistungs.
voraussetzungen in der bestehenden Belegschaft,
• Erarbeitung von geeigneten Unterstützungsformen für Führungskräfte
und Mitarbeiter bei der Zuordnung/Wahl sowie bei der Bewältigung von
angereicherten Tätigkeiten und Qualifikationsmaßnahmen
Als langfristig wesentlich für die Aufrechterhaltung einer verbesserten Dienstleistungsqualität in den ÖPNV-Unternehmen betrachten wir während des gesamten Projektes, dass stets Kunden- und Mitarbeiterperspektive sowie ökonomische und gesellschaftliche Perspektive einbezogen werden.
Erkenntnisse des Projektes sowie Erfahrungen aus den Gestaltungsaktivitäten werden fortlaufend an betriebliche und überbetriebliche Interessengruppen vermittelt und mit diesen reflektiert.
Nähere Informationen können Sie unter www.proves-projekt.de ersehen.
Im Verbundprojekt ProVes arbeiten vier ÖPNV-Modellunternehmen mit jeweils einem arbeitswissenschaftliches Institut als Partner an spezifischen Teilvorhaben des Projektes:
Das Unternehmen Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen (BOGESTRA AG) wird von der Prospektiv GmbH in Dortmund bei der Entwicklung und Erprobung von Modellen zur Kompetenzentwicklung bestehender Belegschaftsgruppen hin zu mittleren Qualifikationen begleitet (Stichwort: Personalentwicklung).
Die Prospektiv GmbH ist darüber hinaus mit der Koordinierung des Verbundprojektes betraut.
Die üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG und die VDV Akademie Köln entwickeln und evaluieren Beruflichkeitsmodelle mittlerer Qualifikationen mit branchenbezogenem Leitbildcharakter (Stichwort: Beruflichkeit und Kultur).
Das Teilvorhaben der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und der MA&T GmbH setzt sich mit arbeitsorganisatorischen Konzepten zur fachlichen Aufwertung von Dienstleistungsarbeit bei unterschiedlichen Qualifikationsmustern auseinander (Stichwort: Organisationsentwicklung).
Die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB AG) und die ffw GmbH werden sich auf die Personalentwicklung und die betriebliche Arbeitsgestaltung zur Implementierung alternsgerechter Arbeitssysteme im ÖPNV konzentrieren (Stichwort: Demografiefestigkeit).
Ergänzend zu diesen vier partnerschaftlichen Teilvorhaben werden mit Einrichtung von schwerpunktbezogenen regionalen Themenclustern (siehe o.g. Stichworte) zusätzlich ungeförderte ÖPNV-Unternehmen als Valuepartner sowie als Transfer- und Strategiepartner hinzugezogen und somit die angestrebte Breitenwirkung in die Branche umgesetzt.
Das Projekt wird aus Mitteln des BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung (www.bmbf.de) gefördert.
Förderkennzeichen: 01FB09007