"Externe Flexibilität" bedeutet die Anpassung der Personalkapazität der Unternehmen als flexible Reaktion auf Auftragsschwankungen: Die Rede ist dabei hauptsächlich von Leiharbeit, Werkverträgen und freier Mitarbeit.
Seit den 1980er Jahren wird externe Flexibilität bei den Automobilherstellern und ihren Zulieferern zunehmend eingesetzt. So gab es auf dem Höhepunkt des Aufschwungs vor der aktuellen Krise über 100.000 Leiharbeitnehmer/-innen. Und nicht nur dem Umfang nach gab es starke Zuwächse, prekäre Arbeit drang auch immer weiter in Kernbereiche der Unternehmen vor. So wurde in manchen Fällen bis zu 40% des FuE-Aufwandes nicht von Angestellten der jeweiligen Firma sondern von Werkvertragsnehmern erbracht. Externe Flexibilität wird heute nicht nur reaktiv zur Bewältigung von Auftragsspitzen und zur Kostensenkung in Randbereichen sondern umfassend und strategisch eingesetzt.
Ob und wie solche Flexibilisierungsinstrumente eingesetzt werden, das hat Auswirkungen auf die interne – organisatorisch-soziale - Stabilität von Unternehmen. Maßgebliche Erfolgsfaktoren wie Innovationsfähigkeit, Prozessstabilität, Fähigkeit zum Umgang mit Schwierigkeiten und Gute Arbeit werden erheblich beeinflusst.
Was für die einzelnen Unternehmen auf der Hand liegt, gilt ebenso für Wertschöpfungssysteme, in denen erst durch das Funktionieren und koordinierte Zusammenwirken mehrerer Firmen das Produkt erzeugt wird. Beim Automobil ist das mehr als eine Wertschöpfungskette, und es sind nicht nur mehrere solcher "Ketten", zum Wertschöpfungssystem sind auch weitere Unternehmen im Umfeld zu zählen wie Maschinenhersteller, Reinigungsbetriebe, Werbewirtschaft, Callcenter, Caterer und viele andere.
Sehr häufig orientieren sich Unternehmen beim Umgang mit Auftragsschwankungen einseitig an der Minimierung der Personalkosten, das führt zu massiven Nachteilen nicht nur für die betroffenen Mitarbeitern sondern auch für die interne Stabilität der Betriebe. Eine nachhaltige Flexibilisierungsstrategie dagegen nimmt weitere Dimensionen in den Blick wie die Stabilität betrieblicher Prozesse, die Innovationsfähigkeit und Gute Arbeit.
Durch das efis-Projekt werden die Auswirkungen unterschiedlicher Flexibilisierungsstrategien auf die interne Stabilität der Unternehmen und des Wertschöpfungssystems empirisch untersucht. Dies geschieht durch eine Aufarbeitung vorliegender nationaler wie internationaler Forschungsarbeiten, durch umfangreiche Expertenbefragungen und intensive länger andauernde Betriebsfallstudien. Die gefundenen Wirkzusammenhänge werden in einem Bewertungsmodell dargestellt. Dieses unterstützt die verschiedenen betrieblichen Akteure dabei, eine vorliegende Flexibilisierungsstrategie hinsichtlich ihrer zu erwartenden Auswirkungen verlässlicher zu beurteilen. Es liefert auch Hinweise auf etwa erforderliche Änderungen oder Modifikationen und richtet sich vor allem an das Management, die betrieblichen Vorgesetzten und die Arbeitnehmer-Interessen-Vertretungen.
Auf dieser Basis werden Hilfen für die Strategieentwicklung erarbeitet. Das beinhaltet sowohl Maßnahmen der Arbeitsgestaltung als auch eine Gestaltung der Praxis der Interessenvertretung, um diesen Herausforderungen mit Aussicht auf Erfolg zu begegnen. Dabei geht es nicht nur darum, sachlich und juristisch fundierte Vorschläge und Forderungen zu entwickeln; wir gehen davon aus, dass es von großer Bedeutung ist, eine intensive Partizipation von Beschäftigten, ihren Interessenvertretungen und weiteren Stakeholdern zu initiieren, auch über die Grenzen des jeweiligen Betriebs hinaus.
Diese Entwicklungsarbeiten erfolgen im engen Dialog mit betrieblichen und verbandlichen Praktikern sowie durch exemplarische Umsetzung in Pilotbetrieben. Sie werden begleitend in weiteren Partnerunternehmen erprobt. Dadurch verbreiten wir nicht nur unsere Ergebnisse und sichern diese ab. So wird auch sichergestellt, dass die erarbeiteten Instrumente praxistauglich sind.
Dass der Einsatz von Leiharbeit sich erheblich auf die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens auswirken kann, dürfte kaum angezweifelt werden, jeder und jede hat dazu ein Gefühl oder eine Einschätzung – dies spielt aber bei betrieblichen Entscheidungen kaum je eine Rolle. Wir haben einen Workshop konzipiert, in dem diese Gedanken gebündelt und systematisiert werden, damit sie wirksamer in die innerbetriebliche Diskussion eingebracht werden können.
Die Veranstaltung gibt es als Betriebsrats-Workshop, aber auch als Dialogveranstaltung; deren Beschreibung finden Sie hier …
EFIS wird von einem Verbund dreier Institute durchgeführt:
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena übernimmt die Koordination des Vorhabens, führt mit Unterstützung der Humboldt-Universität Berlin die wissenschaftlichen Forschungsarbeiten durch und stellt die internationale Vernetzung des Forschungsverbundes sicher.
Die Humboldt-Universität Berlin legt einen Schwerpunkt auf den Bereich der Kreativwirtschaft (Werbung spielt im Wertschöpfungssystem Automobil eine wichtige Rolle.) und hier besonders auf das Flexibilisierungsinstrument freie Mitarbeit. Beide Hochschulen sorgen für den Transfer der Projektergebnisse in das wissenschaftliche Feld und die universitäre Lehre.
Die ffw GmbH berät die Unternehmen bei den betrieblichen Projekten und begleitet die entsprechenden Gestaltungsmaßnahmen. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung und Erprobung eines Modells zur Bewertung von Flexibilisierungsstrategien und eines Strategieentwicklungstools.
Verantwortliche Partner im EFIS-Projektverbund sind außer den genannten Instituten die Volkswagen AG Wolfsburg, die Mercedes Benz AG Gaggenau und die Lindgrün GmbH Berlin. Eine Zusammenarbeit ist ebenfalls verabredet mit der Schuler Umformtechnik GmbH Erfurt, der Audi AG Ingolstadt, der Robert Bosch GmbH Abstadt sowie den IG Metall Verwaltungsstellen Erfurt, Gaggenau, Ingolstadt, Neckarsulm und Wolfsburg.
Das Projekt wird aus Mitteln des BMBF - Bundesministerium für Bildung und Forschung (www.bmbf.de) gefördert.