Wertschätzungskultur – leichter gesagt als getan?! Wege zu Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Motivation Ihrer MitarbeiterInnen
Wertschätzung – oder besser gesagt – mangelnde Wertschätzung ist, wenn man offiziellen Studien folgt, das zentrale Thema nicht nur in deutschen Unternehmen. Mitarbeitergespräche, Beschäftigtenbefragungen bringen schlechte Werte für Anerkennung und Wertschätzung ans Licht. Steigende Krankentage, Fehlerquoten, Fluktuation und mangelndes Engagement lassen ebenfalls darauf schließen, dass es um die Wertschätzung und Anerkennung nicht gut bestellt ist. Gleichzeitig sind Personalverantwortliche wie Führungskräfte ratlos: Was sollen sie noch machen? Was sollen sie anders machen? Angesichts eines drohenden Fachkräftemangels sind Unternehmen gut beraten, sich des Themas anzunehmen.
Das sahen offensichtlich auch 22 TeilnehmerInnen aus 13 Unternehmen vom Allgäu bis Hof so, die sich am 08. Februar 2012 einen ganzen Tag mit den Fragen von Lob, Anerkennung und Wertschätzung auseinandersetzten. Aus der Perspektive unterschiedlicher Funktionen – von der Geschäftsführung über Personalverantwortliche, Abteilungsleiter bis hin zu Betriebsräten aus Klein- bis mittelgroßen Betrieben und verschiedenen Branchen entfaltete sich eine intensive Diskussion über das brisante Thema. Gleich zu Beginn wurde deutlich, einfache Rezepte sind nicht zu haben.
Wie der Umgang mit dem Thema Anerkennung und Wertschätzung von den TeilnehmerInnen im eigenen Unternehmen wahrgenommen wird, zeigte sich bereits beim praktischen Einstieg in das Seminar: In den gezeichneten bzw. gemalten "Anerkennungslandschaften" waren vielfach "Anerkennungsinseln" oder "Oasen" zu sehen, zwischen denen – so der Wunsch – Verbindung geschaffen bzw. die vergrößert werden sollen. Es sind also durchaus positive Ansätze für Wertschätzung und Anerkennung vorhanden, an denen angeknüpft werden kann. Ebenso klar wurden aber auch Brüche und Barrieren für den wertschätzenden Umgang miteinander, z.B. durch Gewitterwolken und Blitze – skizziert und Fragen der Führung und unterschiedlicher Anerkennungskulturen (Bereiche, Statusgruppen, Tätigkeitsgruppen, …) aufgeworfen.
Anschließend beschäftigten wir uns mit der Frage, was ist eigentlich Anerkennung, Wertschätzung? Und warum brauchen wir Anerkennung? Warum ist wenig oder keine Anerkennung die Regel und nicht die Ausnahme? Was steht hinter dem Mangel? Und wieso ist Wertschätzung so schwer zu geben und zu nehmen?
In einer Übung erkundeten die TeilnehmerInnen unterschiedliche Anerkennungssituationen, die sie selbst erlebt haben. Ziel war es, sowohl aus der Perspektive der Gebenden als auch der Empfänger herauszuarbeiten, wie Anerkennung und Wertschätzung gelingen bzw. misslingen kann.
Am Nachmittag wurde anhand der Modelle des psychologischen Arbeitsvertrages (Rousseau) und des Gratifikationskrisenmodells (Siegrist) verdeutlicht, wie durch unterschiedliche Annahmen und Erwartungen ein Mangel an Wertschätzung erzeugt wird und welche problematischen Auswirkungen das auf die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation der Beschäftigten hat. Gerade Führungskräfte können durch das eigene Verhalten die Situation der Beschäftigten verändern. Mit dem „anerkennenden Erfahrungsaustausch“ wurde den TeilnehmerInnen ein Führungsinstrument an die Hand gegeben, mit dem explizit diejenigen Wertschätzung und Anerkennung erfahren, die "einfach nur" ihre Arbeit erledigen, (fast) immer anwesend sind und die gerade dadurch oft "aus dem Blick" geraten.
In den zahlreichen Diskussionen während und am Rande des Seminars wurde eindrücklich bestätigt, das Wertschätzung zu allererst innere Haltung ist. Wir danken allen TeilnehmerInnen für das offene und persönliche Engagement und für die Wertschätzung, die auch wir selbst erfahren haben.