Inzwischen fand bereits das vierte Seminar unserer achtteiligen Fortbildungsreihe "Demographischer Wandel – Chancen und Lösungen" am 08.07.2009 statt. Mehr zu unserer Seminarreihe im Rahmen von profutura HIER ...
Das Seminar hatte zwei Schwerpunkte: Am Vormittag ging es primär um zentrale Aspekte des Lerntransfers unter demographischen Gesichtspunkten. Der Nachmittag drehte sich vor allem um das Management von Erfahrungswissen. Beides sind zentrale Themen, mit denen sich Unternehmen in Zeiten des demographischen Wandels auseinandersetzen müssen, wenn sie auch zukünftig leistungs- und konkurrenzfähig bleiben wollen – auch und gerade in der momentanen wirtschaftlichen Krise. Als Gastreferenten konnten wir Professor Dr. Bender vom Lehrstuhl für Andragogik (Erwachsenenbildung) der Universität Bamberg gewinnen.
Ziel der Veranstaltung war es, zum einen darüber zu informieren, wie Lernen insbesondere auch von älteren Beschäftigten gefördert und effektiv unterstützt werden kann, und zum anderen zu zeigen, wie das Wissen der Mitarbeiter/-innen für das Unternehmen bewahrt und systematisch weitergegeben werden kann. Dabei wurden neben den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auch best-practice-Beispiele aus Unternehmen vorgestellt.
Am Vormittag machte Herr Prof. Bender zunächst deutlich, dass es beim Lernen von Beschäftigten im Prozess der Arbeit nicht um die bloße Anhäufung von Wissen geht, sondern vielmehr vor allem auch um den Erwerb und Ausbau von Kompetenzen auch in einem erweiterten Sinne. Wie die Erfahrungen aller in der Erwachsenenbildung Tätigen zeigen, ist dies ein Prozess, der viel voraussetzt: So muss das, was durch die Beschäftigten gelernt werden soll
• einen Bezug zur Berufs- und Lebenspraxis der Betroffenen aufweisen,
• ein klares Ziel haben, welches vom Lernenden mitgetragen werden kann,
• auf den vorhandenen Kenntnissen aufbauen
• und zudem so aufbereitet sein, dass die individuellen Lerngewohnheiten und -
strategien berücksichtigt werden.
Außerdem sollten Lernprozesse angstfrei sein, d.h. auch, dass ein drohender Arbeitsplatzverlust kein geeigneter Motivator für die eigene Weiterentwicklung und –bildung ist. Außerdem sind die Vorgesetzten dazu aufgerufen, die betreffenden Mitarbeiter/-innen zu unterstützen und zu ermutigen, das Gelernte auch in die Arbeitspraxis umzusetzen. Es wurde zudem deutlich, wie wichtig für erfolgreiches Lernen neben dem Trainingskonzept oder dem Lernenden selbst vor allem die unmittelbare Arbeitsumgebung ist.
Der Nachmittag widmete sich dem Thema "Management von Erfahrungswissen". Hier wurde zunächst zwischen dem expliziten (Fach-)Wissen und dem impliziten (Erfahrungswissen) unterschieden. Während ersteres häufig gut erfasst und katalogisiert ist, ist letzteres meist nur bei den jeweiligen Mitarbeitern vorhanden, oft nicht bewusst und insbesondere den anderen in der Regel nicht bekannt. Diesen "Schatz" gilt es auch für das Unternehmen zu heben – gerade auch im Hinblick auf den Austausch zwischen "jungen" und "älteren" Mitarbeitern.
Sehr häufig wird das Thema "Wissensmanagement" auf die Frage nach einem passenden IT – System reduziert. Im Workshop wurde jedoch schnell deutlich, dass wirkungsvolles Wissensmanagement mehrere Fragen beantworten muss, wie z.B.:
• Welches Wissen benötigt das Unternehmen eigentlich, um langfristig
erfolgreich zu sein (Prioritäten)?
• Wie stellt das Unternehmen fest, wo welches Wissen vorhanden ist?
• Wie schafft das Unternehmen ein Klima, in dem Mitarbeiter auch Ihr Wissen
preisgeben und aktiv kommunizieren?
• Welche Möglichkeiten nutzt das Unternehmen, um das Wissen von
ausscheidenden Mitarbeitern für Nachfolger zu erhalten und verfügbar zu machen?
Im weiteren Verlauf wurden insbesondere Ansätze zur Wissensbewahrung vorgestellt und diskutiert, wie z.B. Strukturierte Übergabeinterviews oder die Gleitende Übergabe. Anhand zweier Beispiele aus der Automotive–Branche wurde deutlich, wie dies konkret aussehen kann und worauf bei diesen Methoden zu achten ist.
Der letzte Teil des Seminars schließlich widmete sich der Diskussion von Hindernissen bei der Implementierung von Wissensmanagementprojekten und Wegen des Umgangs damit. Spätestens hier wurde nochmals deutlich, dass gelebtes Wissensmanagement nicht nur eine Organisations- und Strukturaufgabe ist, sondern vor allem auch mit der Entwicklung einer entsprechenden Unternehmenskultur einhergehen muss. Spätestens an dieser Stelle schloss sich wieder der Kreis zum Thema "Demographie" und wies gleichzeitig bereits auf unser nächstes Seminar hin mit dem Schwerpunkt "Jung und Alt im Unternehmen".
Fazit der Veranstaltung:
Auch wenn an diesem Tag wieder einmal sehr deutlich wurde, dass gerade bei den Themen Kompetenzentwicklung und Wissensmanagement die Lücke zwischen erforderlichem Anspruch und betrieblicher Wirklichkeit oft sehr groß ist, so vermochte Hr. Prof. Bender es doch sehr gut, an der richtigen Stelle "den Finger in die Wunde zu legen" und viele Impulse zum Nachdenken und Verändern mit auf den Weg zu geben.
So fiel das Feedback der Teilnehmer/-innen auf die Veranstaltung denn auch durchweg positiv aus, wobei auch die im Vergleich zu den vorherigen Seminaren erheblich bessere Verpflegung (!) lobend Erwähnung fand.
Wir danken Herrn Prof. Dr. Walter Bender für das informative Seminar!
Zusammenfassende Studie von Herrn Prof. Dr. Walter Bender einschließlich der Ergebnisse der Gruppenarbeit aus der Veranstaltung
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Impressionen von der Veranstaltung ...